Weltweite Premiere: Fahrgäste steuern und bezahlen Nidwaldner Seilbahn mit dem Handy

Die Waldibahn auf das Rinderbüel in Emmetten hat auf voll digitalen Betrieb umgestellt. Und ist damit eine Pionierin. Der Bericht der Nidwaldner Zeitung von Matthias Piazza.

Lust auf eine Fahrt mit der Waldibahn auf die Rotiflue oder das Rinderbüel? Handy zücken, QR-Code abscannen, die gewünschte Strecke und Anzahl der Personen eingeben, mit Twint, Kredit- oder Debitkarte bezahlen und innert zwei Minuten einsteigen. Und schon setzt sich die Gondel in Bewegung. Rund um die Uhr fährt die Bahn bei Bedarf und dies ohne Personal. Vielfahrerinnen und Vielfahrer erhalten Rabatte. Möglich macht dies die nach eigenen Angaben weltweit neuartige Smartphone-Lösung Billpass.

Verwaltungsratspräsident Thomas Tschümperlin sprach an der Vorstellung des vor gut einem Monat in Betrieb genommenen Systems von einer optimalen Lösung, sowohl auf Angebots- wie auch auf Kostenseite. «Jedermann kann das Bähnli benutzen, egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit.» Und das werde auch sehr geschätzt, befänden sich doch bei der Zwischenstation Rotiflue gut 15 Ferienhäuser und ein Gruppenhaus, bei der Bergstation sind es gar 50 Ferienhäuser. «Nebst Einheimischen schätzen auch Wanderer und Jäger, im Winter zudem auch Schneeschuhwanderer und Schlittler, dass sie jederzeit mit der Bahn fahren können.» Und die Waldibahn, die mit schmalem Budget wirtschaften müsse, könne Kosten sparen, wenn es kein Personal brauche und keine Billettautomaten mehr mit Bargeld befüllt und geleert werden müssten.

Smartphone auch weiterhin keine Bedingung

Wer kein Smartphone hat, wird von der Bahnfahrt nicht ausgeschlossen, beruhigte Thomas Tschümperlin auf Nachfrage. «Nach wie vor kann man auch mit Jetons zahlen, die man beim Volg-Laden kaufen kann, allerdings kommt man so nicht in den Genuss von Rabatt.»

Ueli Schmitter ist Präsident des Seilbahnverbands Nidwalden, jener Organisation, die zusammen mit den Freunden der Kleinseilbahnen das über 100’000 Franken teure Projekt unterstützte. Dank dieser Anschubfinanzierung könnten Kleinseilbahnen die neue Lösung nun für 10’000 bis 15’000 Franken anschaffen, je nach Anzahl der gewünschten Module, wie Thomas Tschümperlin auf Nachfrage ausführte.

Als Betreiber der Seilbahn Wolfenschiessen-Brändlen wisse er nur zu gut, wie personalintensiv eine solche Kleinseilbahn sei, fuhr Ueli Schmitter fort. Er erinnere sich noch gut, wie seine Mutter im Haus oft alles stehen und liegen lassen musste, um die Seilbahn zu bedienen. «In der heutigen Zeit braucht es ein System, das einen automatischen Betrieb der Seilbahn ermöglicht, ohne dass der Betreiber beispielsweise das Heuen unterbrechen muss.» Er zeigte sich dankbar für die gemeinsam entwickelte Lösung.

Betriebsleiter kann Bahn von unterwegs aus abstellen

Reto Canale hat mit seinem seilbahntechnischen Know-how das Projekt unterstützt. In der Branche ist er kein Unbekannter, war doch der Seilbahningenieur auch einer der geistigen Väter der Cabriobahn auf das Stanserhorn, die 2012 ihren Betrieb aufnahm. «Wir legten bei der Entwicklung Wert darauf, dass auch andere Bahnen von diesem System profitieren können, indem es sich auf unterschiedlichste Bedürfnisse anpassen lässt.» Das sei gelungen. Auch der Sicherheit habe man Rechnung getragen. «Heute kann der Betriebsleiter von unterwegs aus mit dem Smartphone die Bahn abstellen, wenn dies wegen aufkommenden Winden nötig werden sollte. Früher konnte er das nur von der Talstation aus machen.» Dank einer Pikettorganisation könne jederzeit jemand eingreifen, sollte ein Notfall eintreten.

Jürg Bill, Geschäftsleiter der Bill GmbH, welche Billpass entwickelte, betonte, dass man der Benutzerfreundlichkeit einen grossen Stellenwert beigemessen habe. «Die Anbieter sollen keinen Aufwand haben, die Fahrgäste nicht lange Bedienungsanleitungen lesen müssen.» Er sei stolz, dass sich das System bei der Waldbahn so gut etabliert habe und hoffe auf weitere Bahnen.

Gemeindevizepräsident Daniel Krucker gratulierte der Waldibahn zu dieser weltweiten Premiere in seiner Gemeinde, sprach von einem wichtigen Zeichen und hofft auf möglichst viele Nachahmer.

Ähnliche Beiträge

  • Kuirlebe und Gummistifu

    Nach der sehr erfolgreichen Foto-Ausstellung „150 Jahre Älplergesellschaft Emmetten“ öffnet die Kultuir-Stube Emmetten die Türe für die zweite Ausstellung „Kuirläbä und Gummistifu“. Während rund 70 Jahren prägte die Kuranstalt Schöneck das Alltagsleben der Emmetter. Auf der einen Seite flanierten die feinen Gäste durch die Dorfstrasse hinauf zur Egg und auf der anderen Seite arbeiteten die…

  • |

    Neues Gipfelkreuz gesegnet

    Die Älplergesellschaft Emmetten segnete am Dienstag, 24. September 2024 das neue Gipfelkreuz, das in den nächsten Tagen auf der Gspaltnig Chulm wieder aufgerichtet werden soll. «Wir wollten uns zum 150 Jahr-Jubiläum der Älplergesellschaft Emmetten ein besonderes Geschenk mit Symbolkraft machen.», erklärt der Pfleger Peter Barmettler. Er war es auch, der den Älplerbeamten den Vorschlag machte,…

  • Bluämigs Ämmättä gahd weyters

    Der Tourismusverein Emmetten hat sich fürs 2025 zum Ziel gesetzt, unser Dorf bunter zu gestalten. Seit ein paar Wochen lachen lustige Gesichter von den Strassenzäunen. Die lachenden Blumentöpfe verbreiten sofort gute Laune und jeder läuft mit einem breiten Grinsen durchs Dorf. Als weiteres Highlight wurde das erste Holzhäuschen am Dorfeingang aufgestellt. Weitere solche Holzhäuschen folgen…

  • Samichlais-Woche 2025

    Der erste Schnee hat sich angekündigt und somit auch der Samichlais-Besuch mit seinen Schmutzlis. In Emmetten ist es seit 1997 Tradition, dass sich der Samichlais sechs Tage in Emmetten aufhält. Und in dieser Zeit wird es dem Samichlais nie langweilig. Denn sein Terminkalender ist prall gefüllt. Laternenweg mit Punsch-AbendeBis Freitag, 12. Dezember 2025 stehen eine…

  • |

    Bluämigs Ämmättä

    Gestern Mittwoch-Nachmittag wurde es bunt in der Kultuir-Stube. Emmetter Mütter kamen mit ihren Kindern und verzierten Blumentöpfe mit lustigen Gesichtern. Man spürte förmlich den Frühling in die Kultuir-Stube einziehen. Das Projekt „Blumentöpfe“ ist eines von drei Ideen, die der Tourismusverein Emmetten dieses Jahr anlässlich des Gesamtprojekts „Bluämigs Ämmättä“ plant. Lass dich überraschen, wo die lustigen…