Der Samichlais-Brauchtum Emmetten gehört zum älteren Brauchtum und ist ein fester Bestandteil im kulturellen Kalender. Viele „Heimweh“-Emmetter kommen beim Samichlais-Auszug in ihren Heimatort zurück, da sie mit ziemlicher Sicherheit viele alte Gesichter antreffen.
Link zur Samichlais-Woche 2024. Da findest Du alles kurz zusammengefasst.
Wie der Samichlais-Brauchtum zu uns kam
Die Brauchtumsfigur des Samichlaus geht auf den heiligen Nikolaus von Myra zurück. Obwohl über die historische Person des Niklaus von Myra nur wenige schriftlich belegte Nachrichten vorliegen, vereinigt sie zahlreiche Legenden auf sich.
Den Ursprung der Samichlaus-Brauchrituale, so wie wir sie heute kennen, sieht die aktuelle volkskundliche Forschung in den Bischofsspielen der Schulknaben, die um 1300 in Nordfrankreich aufkamen. Dort war es an den Klosterschulen üblich, einen Schüler zum Bischof zu wählen und ihn am Nikolaus-Todestag mit Pontifikalgewändern, Krummstab und Mitra auszustaffieren. Von Anfang an gehörte auch ein Umzug mit dem Knabenbischof zum festlichen Rollenspiel. Schnell breitete sich dieser Brauchtum bis zu uns in die Innerschweiz aus. Schon im frühen 14. Jahrhundert häuften sich allerdings die Klagen über die aufsässige Bettelei der Schüler, die den Umzug zu einem „Heischegang“ umgestalteten. Oft gingen mehrere Gruppen schwarz maskierter junger Leute während der gesamten Adventszeit lärmend und heischend um. So berichtete z.B. ein Urner Ratsprotokoll aus dem Jahr 1788 von vermummten „Klausjägern“, die am Vorabend des Nikolaustag mit ihren Trycheln, Schellen und Peitschen nicht nur die ganze Nacht hindurch ein „abscheuliches Gelärm und Gerassel“ veranstalteten, sondern überhaupt das „frechste, ausgelassenste Stück einer ganz zügellosen Meisterlosigkeit“ ausgeübt hatten.
Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts kamen die ersten Hausbesuche auf, bei denen ein erwachsener, Autorität gebietender Mann im Bischofskostüm den Kindern in der Privatstube pädagogisch ausgerichtete Reden über das Gute und das Böse hielt. Allerdings trat diese Praxis lange Zeit nur in gehobenen Gesellschaftsschichten auf und blieb in den ländlich geprägten Gemeinden lange Zeit aus. Hingegen etablierte sich der Brauch des „Nikolaus-Schleikens“: Die Eltern hinterlegten heimlich in der Nacht auf den Nikolaustag den braven Kindern Geschenke und für die weniger braven Kinder eine Rute. So richtig Populär wurden die Hausbesuche erst anfangs des 20. Jahrhunderts.
Auch in Emmetten besuchte der Samichlaus schon früh alle Haushalte. Ein Eintrag im Jahre 1957 ins Samichlaus-Kassabuch belegt, dass ein Samichlaus und zwei Schmutzlis alle Emmetter Haushaltungen besuchte und dabei 60 Kilo Äpfel und 16 Kilo Nüsse und auch zahlreiche Ruten an die Kinder verteilte. Bereits ein Jahr später gingen zwei Samichläuse mit 4 Schmutzlis in die Haushaltungen. Zu erwähnen ist, dass die beiden Samichläuse jeweils von zwei Fratern oder Diakonen vom Bruderklausenseminar Schöneck verkörpert wurden, also von Geistlichen. Sie stellten jeweils auch die beiden Bischofsgewänder zur Verfügung.
Nebst den Hausbesuchen fand bis 1967 jeweils am 6. Dezember-Abend ein Trycheln statt, welche von 30 – 40 Emmettern bestritten wurden. Die Trychlergruppe wurden von einer handvoll Fakelträgern begleitet. Von Laternen oder Yffelen war damals noch nichts zu sehen. Erst im Jahre 1968 stellte der Beckenrieder Sekundarlehrer Richard Aschwanden den Emmettern 4 Yffelen zur Verfügung. Im gleichen Jahr fertigte Frau Marie-Theres Leiser 20 Hirthemden für die Trychler an. Erst im Jahre 1980 entwickelte sich der Samichlais-Uiszug zu dem Anlass, den wir bis heute kennen. Denn damals bastelte der Damenturnverein Emmetten 13 Yffelen und die Schüler fertigten erstmals im Schulunterricht Laternen oder Räbeliechtli an.
In den weiteren Jahren ist der Samichlaus-Brauchtum stetig gewachsen und es sind weitere Programm-Punkte dazugekommen.
– Samichlais-Ytrichlätä, organisiert durch den Trychlerverein „Urchigi Ämmätter“
– Samichlais-Laternenweg mit Punsch-Abenden
– Samichlais-Yzug beim Hugenwald
– Samichlais-Briefkasten beim Pfarrhaus
– Samichlais-Hausbesuche
– Samichlais-Uiszug
Der Emmetter Samichlais ist heute noch einer der wenigen, der noch alle Haushaltungen ohne Voranmeldung besucht. Dabei werden für alle Kinder bis zur 4. Primarklasse ein Samichlais-Säckli abgegeben und jede Haushaltung erhält ein frisch gebackener „Grittibänz“.
Nicht verpassen darfst Du den Samichlais-Uiszug. Bis heute basteln alle Primarschüler jedes Jahr neue Laternen, die sie stolz am Umzug präsentieren. Und in diesem Jahr (2024) bauten die Oberstufen-Schüler 12 neue Yffelen. Umrahmt wird das Lichtermeer von bis zu 200 Trychlern, Geiselklöpfer und Fakelträger.
Willst Du weitere Informationen, Daten und Zeiten betreffend der Samichlais-Woche, dann besuche die neue Samichlais-Webseite:















